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Schicksale:
Inken Stahl

„In Tannheim habe ich wieder Laufen gelernt!“

Ihre Lebensfreude strahlt über, dabei würde man Inken Stahl am allerliebsten tröstend in den Arm nehmen: Ihr rechter Unterschenkel musste nach der Diagnose „Knochenkrebs“ amputiert werden. Erst seit wenigen Tagen trägt sie eine Prothese am Bein. Doch die junge Frau ist ungeheuer tapfer – und der Erfolg bleibt nicht aus: Dank ihrer positiven Einstellung und der hervorragenden Physiotherapeutischen Abteilung der Nachsorgeklinik Tannheim lernt sie während einer Familienreha in nur vier ­Wochen wieder ohne Krücken zu laufen. Günter Hermann, Leiter der Physiotherapeutischen Abteilung, ist stolz auf Inken Stahl. Er betont, Inken zeige allen, was möglich sei, wenn man sich von seiner Krankheit nicht unterkriegen lasse und eine hervorragende medizinische und physiotherapeutische Behandlung bekomme. Die 15-Jährige hat nach einem schweren Schicksalsschlag am Leben wieder Freude. Freudig erzählt sie, dass es ihr gut geht, aber auch, dass sie die noch ungewohnte Prothese am Bein schmerzt. Inken lässt sich gerne bei ihren ersten Gehversuchen fotografieren: sie will anderen jungen Menschen Mut machen!

Wie gut Inken Stahl mit den Folgen ihrer Krebserkrankung umzugehen vermag, zeigt sich beim therapeutischen Reiten auf dem Reitplatz der Nachsorgeklinik. Inken sitzt gut im Sattel, elastisch schwingt ihre Hüfte mit dem Pferderücken mit, der Oberkörper ist aufrecht, ruhige Hände halten die Zügel. Strahlend trabt sie diagonal auf ihre Eltern zu, die sich über die wiedergewonnene Lebensfreude und das reiterische Können ihrer Tochter unsagbar freuen.

Die 15-jährige Inken Stahl lebt bei Pa­­derborn und verlor im April 2011 ihren linken Unterschenkel. Ein Knochen-Tumor hatte sich im Sprunggelenk eingenistet – er konnte nur durch eine ­Amputation entfernt werden. „In Tannheim habe ich wieder Laufen gelernt,“ beschreibt Inken ihren größten Therapieerfolg. „Es war wie ein Wunder“, ergänzen die Eltern Werner und Ilona Stahl, die sich bei der gemeinsamen Reha – der Familienorientierten Nachsorge – von einem „Horror-Jahr“ erholen und Kraft für die bevorstehende Bewährungsprobe im Alltag schöpfen.

Schon der diagnostische Marathon ist eine Tortur: Erste Schmerzen im August 2010 werden fälschlicherweise als Sehnenscheidenentzündung interpretiert, einen Monat später kann Inken nicht mehr auftreten. Die Ergebnisse der Computer­tomographie entfachen das Misstrauen der Mediziner, die Biopsie (Gewebeunter­suchung) in der Uni-Klinik Münster schafft die traurige Gewissheit: Ein Ewing-Sarkom wird diagnostiziert, ein bösartiger Knochen­krebs. Von einer Million Kinder haben ihn eines bis drei, mehr Jungen als Mädchen. Dass Inken darunter ist, ist eine „Laune des Schicksals“, weiß die Mutter.

Die Hoffnung, der Krebs könnte durch eine Chemotherapie besiegt werden, erfüllt sich nicht. Inken ist durch die schwerwiegenden Folgen der Chemo gesundheitlich stark angegriffen. Ihre Schleimhäute versagen den Dienst, die Nieren sind perforiert, die Blutgerinnung defekt. „Ich hatte Urin im Bauch und blutete in den Körper“, erinnert sie sich an diese Behandlung. Inken kann weder essen noch trinken, wird künstlich ernährt. Nach sechs Chemo-Blöcken ist sie von 55 Kilogramm auf 40 Kilo abgemagert.

Der Tumor schrumpft zwar, doch es bleibt ein nicht operabler Rest im Gelenk. Die Alternative zur Amputation wäre eine Bestrahlung – doch ohne Garantie, dass der Krebs nicht streuen würde, erklären die Ärzte. „Ich hatte zwei Chemos lang Zeit, zu überlegen, was ich will,“ erzählt Inken. Am 18. April trifft sie die schwerste Entscheidung ihres Lebens. „Wenn das Bein weg ist, ist der Tumor weg,“ ist der ausschlaggebende Gedanke und so entscheidet sie sich für eine Amputation.


Ilona Stahl: „Ich wusste, sie kommt nicht mehr so zurück, wie sie war“

Als am Tag vor der Operation die Stelle markiert wird, an der der Unterschenkel abgenommen werden soll, sei ihr „übel vor Angst“ gewesen, bekennt die Mutter. „Ich wusste, sie kommt nicht mehr so ­zurück, wie sie war.“

Die Ärzte entscheiden sich für einen „Sicherheitsabstand“ zum Tumor, das bedeutet: sie amputieren den Unterschenkel bis gut zehn Zentimeter unterhalb des Knies. Inken übersteht die Operation mit einer tapferen und lebensbejahenden Hal­tung, die beispielhaft ist. Schon am Abend nach der Operation wünscht sie sich einen „Big Mac“, sie kann endlich wieder essen.

Es folgen acht Blöcke der sogenannten „Erhaltungs-Chemo“. Sie ist eine Vorsorge, dient dazu auch die Krebszellen zu zerstö­ren, die sich neu gebildet haben könnten. Trauer um ihr verlorenes Bein habe sie nicht empfunden, erinnert sich ­Inken, „ich war nur wütend.“ Zum Beispiel auf die Haare, die büschelweise ausfallen, die „verkrumpelten“ Fingernägel und die „gepellte“ Haut.

Mittlerweile war die nunmehr 15-Jährige ein Jahr lang nicht mehr zur Schule gegangen, hatte die meiste Zeit im Bett verbracht und sich im Wortsinn krumm gelegen. Noch- während der letzten Chemo-Phase wird die ersehnte Familien-Reha ge­nehmigt, nur Inkens älterer Bruder Hagen kann nicht mitkommen, er hat soeben ein Studium begonnen. Dank intensiver Physiotherapie wird Inken wieder „gerade“, wie der Vater sagt. Sie lernt mit Krücken gehen, gewöhnt sich an die Prothese. Absolutes Highlight ist die eingangs erwähnte Reittherapie, bei der sie zu neuem Gleichgewicht und alter Kraft findet. Mit dem Körper richtet sich auch Inkens verletzte Seele wieder auf.

Daran gewöhnt, dass „Erwachsene meist doof gucken und dich bemitleiden“, genießt sie in Tannheim das Zusammensein und den Austausch mit gleichaltrigen Patienten. „Ich habe echte Freunde gefunden“, sagt sie. „Hier hat niemand Mitleid, denn jeder hat seine Geschichte.“

Den Eltern wiederum tut es „unendlich gut, einmal loslassen zu können.“ Das Leid ihrer Tochter hat sie selbst unsagbar gequält, sagt der Vater: „Es ging ihr so schlecht und wir konnten ihr nichts abnehmen, sie nicht beschützen.“ Und die Krankheit bestimmt den Alltag: Ständig muss organisiert und improvisiert werden, einer von beiden begleitet die Tochter stets bei den langen Klinikaufenthalten, das ganze Leben gerät aus den Fugen. In Tannheim hat die Familie Energie für den Start in die Normalität getankt. „Vor uns liegt noch ein gutes Stück Arbeit“, wissen die Eltern, „aber wir haben gelernt, bewusster im Hier und Jetzt zu leben.“

Die größte Zuversicht verbreitet zweifellos Inken, die übermütig aufzählt, worauf sie sich alles freut: Auf den großen Bruder, auf die Hunde daheim, auf ihre Schulklasse, auf Weihnachten. Und natürlich auf das geliebte Reiten: „Ich kann schon wieder galoppieren.“

Wer die 15-Jährige nicht selbst kennenglernt hat, der mag es kaum glauben, aber diese junge Frau hat nach schwerster Krankheit ihre Zukunft wieder fest in beide Hände genommen! Inken und ihre Familie sind ein leuchtendes Beispiel dafür, was die Familienorientierte Nachsorge und die Nachsorgeklinik Tannheim zu leisten vermögen.

Familie Pharion

Kenth Joite

Familie Cantürk

Inken Stahl

Familie Kisch

Familie Gerstmeyer

Familie Bursian